Schulterprothese

Patienteninformation Schulterprothese

Das Schultergelenk:

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des Körpers. Für die ausgedehnte Beweglichkeit sind eine weite Gelenkkapsel, eine tiefliegende Sehnen- und Muskelmanschette direkt um das Gelenk (sogenannte Rotatorenmanschette) und die oberflächliche Muskulatur um das Gelenk erforderlich.

Arthrose des SchultergelenksDas Schultergelenk setzt sich aus dem Oberarmkopf und der Gelenkpfanne zusammen. Wie alle Gelenke wird auch das Schultergelenk von einer Gelenkkapsel umgeben, welche Gelenkflüssigkeit zur Reduzierung der Reibung im Gelenk und zur Ernährung des Gelenkknorpels produziert sowie das Gelenk stabilisiert.
Abb. 1: Schultergelenk mit Oberarmkopf und Gelenkpfanne
 

Beschwerden des Patienten:

Um die ausgedehnte Beweglichkeit der Schulter nicht einzuengen, muss die Gelenkkapsel sehr weit sein und bei angelegtem Arm in der Achselhöhle eine Falte werfen, die sich beim Abspreizen des Armes entfaltet. Bei verschiedenen Erkrankungen der Schulter wie z.B. einer schweren Knorpelschädigung (Arthrose) und bei langer Ruhigstellung des Gelenkes kann es zu Verklebungen und Schrumpfungen der Kapselfalten kommen, so dass die Beweglichkeit des Schultergelenkes dann erheblich eingeschränkt sein kann.
Damit der Oberarmkopf trotz der weiten Gelenkkapsel stabil in der Gelenkpfanne bleibt, ist eine spezielle Gruppe von Sehnen notwendig, die für die stabile und kraftvolle Führung des Gelenkes zuständig ist. Diese Sehnengruppe wird als sog. Rotatorenmanschette bezeichnet, da sie sich wie eine Manschette um den Oberarmkopf legt und vor allem für die Rotation und Abspreizung des Armes zuständig ist. Häufig finden sich als Folge von Abnutzungserscheinungen beim älteren Patienten kleine Defekte in der Sehnenplatte.

Neben den Sehnen der Rotatorenmanschette ist vor allem der oberflächlich, direkt unter der Haut gelegene Deltamuskel für das Abspreizen und Anheben des Armes verantwortlich. Er wird daher auch als „Motor“ des Schultergelenkes bezeichnet. Bei einer schweren Schädigung des Deltamuskels kann der Arm nicht mehr über die Horizontalebene angehoben oder abgespreizt werden.
Die Oberfläche des Oberarmkopfes und der Gelenkpfanne sind jeweils von einer bis zu 3mm dicken Knorpelschicht überzogen, die ein fast reibungsloses Gleiten zwischen Oberarmkopf und Pfanne ermöglicht und Erschütterungen des Gelenkes dämpft.

Abb. 2: Rotatorenmanschette mit kleinem Defekt
 

Arthrose des Schultergelenkes:

Schädigungen des Gelenkknorpels bezeichnet man als Arthrose. Der Arzt spricht bei einer Arthrose des Schultergelenkes auch von einer „Omarthrose“. Ursache des Knorpelschadens können z.B. ein Unfall mit Bruch des Schultergelenkes, wiederholte Auskugelungen, Rheumatismus oder jahrelange berufliche oder sportliche Überbelastung sein.
In vielen Fällen tritt die Arthrose am Schultergelenk ohne erkennbare Ursache als Folge eines natürlichen, altersbedingten Verschleißprozesses auf (Abb. 3).


Abb. 3: Röntgenbild einer Arthrose der Schulter

Bei der Arthrose kommt es im frühen Stadium zu oberflächlichen Einrissen und Erweichung der Knorpelschicht. Im fortgeschrittenen Stadium kann der Gelenkknorpel bis auf den Knochen abgeschliffen sein, so dass der Knochen ohne die schützende Knorpelschicht frei liegt.

Im Anfangsstadium der Omarthrose treten Schmerzen beim Liegen auf der Schulter und bei Belastung des Armes ohne wesentliche Beeinträchtigung der Bewegung auf. Mit zunehmender Verschlimmerung des Knorpelschadens tritt eine Bewegungseinschränkung der Schulter auf. Das Gelenk kann dann nur noch eingeschränkt abgespreizt und nach außen gedreht werden. Es können zusätzlich Reibegeräusche im Gelenk auftreten.

Eine Arthrose der Schulter kann durch Röntgenaufnahmen der Schulter und Kernspintomographie nachgewiesen werden.
Auf den Röntgenaufnahmen kann man mit zunehmendem Abrieb des Knorpels eine Verschmälerung des Gelenkspaltes erkennen. Ist der Knorpel vollständig abgerieben, dann ist auch der Gelenkspalt nicht mehr erkennbar. Zusätzlich können sich bei schon länger bestehender Arthrose knöcherne Ausziehungen am Unterrand der Gelenkpfanne und des Oberarmkopfes ausbilden (Abb. 3).

Zur exakten Beurteilung der Ausdehnung des Knorpelschadens – vor allem an der Gelenkpfanne – wird eine Kernspintomographie empfohlen. Diese Untersuchung ist vor allem dann erforderlich, wenn eine operative Behandlung mit einem künstlichen Gelenk vorgesehen ist und um bereits vor der Operation absehen zu können, ob neben dem Ersatz des Oberarmkopfes auch ein Ersatz der Gelenkpfanne erforderlich ist.

 

Möglichkeiten der Behandlung:

Nichtoperative Behandlung von Erkrankungen des Gelenkknorpels (Omarthrose)

Nicht-operative Behandlungsmethoden können zur Schmerzlinderung beitragen und die Gelenkfunktion erhalten. Eine Heilung des Knorpelschadens ist nicht möglich. Allenfalls kann das Fortschreiten der Knorpelzerstörung aufgehalten und eine Operation hinausgeschoben werden. Dies kann vor allem für jüngere Patienten unterhalb des 60. Lebensjahres von Bedeutung sein.

Durch eine gezielte Krankengymnastik können die Muskeln, die für die Funktion der Schulter bedeutsam sind, trainiert werden ohne das Gelenk zu sehr zu belasten. Besonders bewährt haben sich gleichmäßige Bewegungsabläufe unter Entlastung des Armes wie z.B. Bewegungsübungen in warmem Wasser oder Pendelübungen mit geringen Gewichten.

Eine medikamentöse Behandlung hat das Ziel Entzündungsreaktionen, die meist von der Gelenkschleimhaut ausgehen, zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern. Häufig kann erst nach einer medikamentösen Vorbehandlung zur Reduzierung der akuten Beschwerden mit einer Bewegungstherapie begonnen werden.

Das künstliche Schultergelenk:

Eine moderne Schulterprothese verbessert die Beweglichkeit des Schultergelenkes und verringert die Schmerzen. Dadurch können Lebensqualität und Mobilität in der Freizeit, im Alltag und während der Arbeit gesteigert werden. Jährlich werden in deutschen Kliniken rund 25.000 künstliche Schultergelenke eingesetzt.

Die richtige Endoprothese für Sie

Die modernen Schulterendoprothesen ermöglichen die genaue Wiederherstellung der bei jedem Patienten unterschiedlichen Winkel- und Größenverhältnisse des Oberarmkopfes und der Gelenkpfanne.

Durch eine Schulterendoprothese kann der verschlissene Knorpel am Oberarmkopf und – falls erforderlich – auch an der Gelenkpfanne ersetzt werden. Wird nur der defekte Knorpel am Oberarmkopf ersetzt, bezeichnet man diese Prothese als Oberarmkopfprothese (Abb. 4). Wird zusätzlich auch die Gelenkpfanne ersetzt, spricht man von einer Schultertotalendoprothese (Abb. 5).


Abb. 4: Oberarmkopfprothese
(Ersatz nur des Kopfes)

Abb. 5: Totalendoprothese
(Ersatz von Kopf und Pfanne)

 
Die Haltbarkeit eines künstlichen Schultergelenkes wird heute mit durchschnittlich 10-15 Jahren angegeben. Sie ist u.a. abhängig von der Beanspruchung durch den Patienten, der Qualität des Knochens und vom Typ der Prothese. Der Pfannersatz weist eine deutliche höhere Lockerungsrate als der Oberarmkopfersatz auf.

Welcher Typ einer Endoprothese und welche Form der Verankerung im Knochen (zementiert oder zementfrei, Schaftverankerung oder schaftfrei) für Sie am besten geeignet ist, muss Ihr Operateur nach Auswertung der Voruntersuchungen (Patientenuntersuchung, Röntgenbilder, Kernspintomographie oder Computertomographie) entscheiden. Dies ist u.a. abhängig vom Alter des Patienten, der Qualität des Knochens, der Ausprägung der Arthrose und eventueller, zusätzlicher Schädigungen der Rotatorenmanschette.

Material und Verankerung

Oberarmkopfprothesen bestehen aus besonders köperverträglichen Chrom-Cobalt Legierungen. Keramik oder Titan können in Abhängigkeit von der Qualität des Knochens zementiert und zementfrei eingesetzt werden.

Bei Patienten über 70 Jahre werden die meisten Prothesen mit Zement eingesetzt. Der Pfannenersatz wird in fast allen Fällen mit Zement im Knochen verankert und besteht in der Regel aus einem speziellen, sehr harten Kunststoff (hoch vernetztes Polyethylen).
 
Ersatz des Oberarmkopfes bei Arthrose


Abb. 6: Oberarmkopfprothese  mit Schaftverankerung

 
In den seltenen Fällen, bei denen hauptsächlich der Oberarmkopf von der Arthrose betroffen ist und die Gelenkpfanne noch einen Knorpelüberzug und keine wesentliche Deformierung aufweist, kann es ausreichend sein, nur den Oberarmkopf durch eine Prothese zu ersetzen. In diesem Fall stehen drei unterschiedliche Prothesentypen zur Auswahl.

In den meisten Fällen wird dann eine Oberarmkopfprothese mit einer Verankerung im Knochenrohr des Oberarmes durchgeführt (Abb. 6).

Dies ermöglicht eine genaue Wiederherstellung der Größen- und Achsenverhältnisse am Oberarmkopf. Die Verankerung der Prothese im Knochenrohr ist sehr stabil. Die Lockerungsrate moderner Oberarmkopfprothesen liegt im Bereich von unter 1% über einen Beobachtungszeitraum von 10 Jahren.

Alternativ kann bei stabilen Knochenverhältnisse auf eine langstreckige Verankerung im Schaft verzichtet werden und der Ersatz des zerstörten Kopfes über eine nur 2-3cm lange Verankerung erfolgen. Diese Methode weist erhebliche Vorteile auf: verkürzte Operationszeit, verringerter Blutverlust, Vermeidung von Knochenbrüchen des Oberarmes beim Einschlagen des Implantates, sowie Erhalt des Knochens im Schaftbereich. Wir verwenden daher – falls es die Knochenqualität erlaubt – fast in allen Fällen diese schaftfreie Verankerung des Kopfersatzes (Abb. 7).


Abb. 7: Kopfersatz ohne Schaftverankerung (li. Fa. Mathys, re. Fa. Arthrex)

 

Eine Oberflächenersatzprothese, bei der lediglich die Oberfläche des Oberarmkopfes abgeschliffen wird und dann der Kopf mit einer Metallkappe, einem sogenannten Oberflächenersatz, überzogen wird, verwenden wir aufgrund unterschiedlicher Nachteile des Implantates nur noch im Ausnahmefall (Abb. 8)


Abb. 8. Oberflächenersatzprothese


Ersatz des Oberarmkopfes und der Gelenkpfanne bei Arthrose

Weist nicht nur der Oberarmkopf, sondern auch die Gelenkpfanne einen schweren Knorpelschaden und eine deutliche Deformierung auf, sollte zusätzlich zum Oberarmkopf auch die Gelenkpfanne ersetzt werden. Man spricht dann von einer Schultertotalendoprothese. Schultertotalprothesen weisen im Vergleich zum alleinigen Oberarmkopfersatz deutlich bessere Ergebnisse insbesondere hinsichtlich der Schmerzbefreiung auf. Wenn es die Knochenverhältnisse und der Zustand der Rotatorenmanschette erlauben, setzen wir daher nahezu in allen Fällen Totalendoprothesen ein (Abb. 9)


Abb. 9: Schulter Totalendoprothese

Patienten mit einer Schultertotalendoprothese haben in der Regel deutlich weniger Schmerzen und eine bessere Gelenkbeweglichkeit im Vergleich zur Oberarmkopfprothese. Es muss allerdings auch berücksichtigt werden dass bei sehr steifen Gelenken sowie bei Patienten mit hoher Belastung der Schulter und schweren Knochensubstanzverlusten an der Pfanne ein Ersatz der Pfanne nicht in allen Fällen möglich ist.

Der Pfannersatz wird in den meisten Fällen über Zapfen oder einen Kiel auf der Rückseite der Pfanne in den Knochen einzementiert. Nach 10 Jahren sind 5-10% der eingesetzten Gelenkpfannen gelockert und müssen entfernt und – wenn möglich – durch ein neues Pfannenimplantat ersetzt werden.

Ersatz des Gelenkes bei Arthrose und schwerem Sehnenschaden

Besteht neben dem Knorpelschaden des Schultergelenkes eine ausgedehnte Schädigung der Sehnenmanschette der Schulter sodass das Abspreizen des Armes nur noch eingeschränkt möglich ist kann das Einsetzen einer speziellen Schulterprothese erforderlich sein die für die Bewegung des Gelenkes nicht auf die Sehnenmanschette der Schulter angewiesen ist. Dieser Prothesentyp wird auch als sogenannte inverse (umgekehrte) Prothese bezeichnet da der Kopf an der Gelenkpfanne verankert wird und somit umgekehrte Verhältnisse im Vergleich zur üblichen Schultertotalprothese vorliegen (Abb. 10).

Abb. 10: Inverse Schultertotalendoprothese

Das biomechanische Prinzip dieser Prothese besteht darin, dass der oberflächliche Deltamuskel vorgedehnt wird und dadurch mehr Kraft bei der Abspreizung des Armes entwickeln kann. Dadurch kann die fehlende Kraftentwicklung der geschädigten Rotatorenmanschette ausgeglichen und der Arm trotzdem angehoben werden.

Die Verankerung des Kopfes in der Gelenkpfanne erfolgt ohne Zement mit Schrauben. Am Oberarm wird die Prothese meistens mit Zement verankert. Im oberen Anteil der Oberarmprothese wird eine Gleitschale aus Polyethylen eingelegt, die dann um den Kopf gleiten kann.

Die inverse Prothese sollte möglichst nicht vor dem 65. Lebensjahr eingesetzt werden. Voraussetzung ist eine unversehrte Deltamuskulatur und eine gute Knochensubstanz zur stabilen Verankerung des Prothesenkopfes in der Schulterpfanne.

 

Die Operation:

Die Implantation einer Schulter-Endoprothese ist mittlerweile in spezialisierten Kliniken ein häufiger Eingriff. In deutschen Kliniken werden derzeit rund 25.000 Schulterprothesen pro Jahr eingesetzt. Die einzelnen Operationsschritte folgen einem präzisen Ablauf.

Die Ankunft

Das Klinikpersonal begleitet sie auf ihre Station. Soweit im Vorfeld nicht bereits geschehen, werden letzte Untersuchungen vorgenommen und Ihr Narkosearzt klärt Sie über die verschiedenen Methoden der Anästhesie und Schmerztherapie auf.

Operationsrisiken

Bei der Implantation einer Schulterendoprothese treten Komplikationen selten auf. Bei jeder Operation bestehen jedoch Restrisiken wie Blutergüsse, Nachblutungen und Verletzungen von in der Nähe verlaufenden Nerven, die erwähnt werden müssen. Ihr Arzt wird Sie im Vorfeld sorgfältig aufklären.

Die Operationsschritte

Die Operation wird in halbsitzender Lagerung durchgeführt. Sie liegen dabei in einer bequemen Position ähnlich wie in einem Liegestuhl auf dem Operationstisch.

Das Schultergelenk wird über einen etwa 12- 15cm langen Hautschnitt an der Vorderseite der Schulter freigelegt.

Die zerstörten Gelenkflächen von Oberarmkopf und Pfanne werden entfernt ebenso verschlissene Reste von Sehnen- und Schleimbeutelgewebe sowie gereizte Gelenkschleimhaut.

Mittels spezieller Sägeblätter und Fräsen werden die zerstörten Knorpel- und Knochenflächen von Oberarmkopf und Pfanne präzise für die Implantation des neuen Schultergelenkes vorbereitet.

Während der Operation wird endgültig entschieden ob nur der Oberarmkopf oder auch die Gelenkpfanne ersetzt werden müssen.

Mit einem Probeimplantat kontrolliert der Operateur den korrekten Sitz, Größe, Stabilität und Bewegungsausmaß der Schulter. Anschliessend werden die Original Implantate eingesetzt.

Wird eine konventionelle Schulter-Totalendoprothese eingesetzt wird zunächst die künstliche Pfanne implantiert. Üblicherweise ist dies ein Kunststoffimplantat (Polyethylen) das über zapfenartige Fortsätze auf der Rückseite mit Zement im Knochen verankert wird.

Danach wird der Oberarmkopf durch ein Metall Implantat ersetzt das über einen Metallstiel im Oberarmknochen fixiert ist. Der Metallkopf kann später nahezu reibungs- und schmerzlos in der Kunststoff-Pfanne gleiten Abb11.


Abb. 11: Eingesetzte Oberarmkopfprothese und Pfanne

Sofern sich Ihr Arzt für den Einsatz einer Oberflächenersatzprothese entschieden hat wird der Oberarmkopf nicht vollständig entfernt sondern mit speziellen Fräsen rund abgeschliffen sodass der Knochen weitgehend erhalten bleibt. Auf die abgeschliffene Oberfläche wird dann eine Metallschale gesetzt die mit Zement stabil fixiert wird

Nach einer abschließenden Funktionsprüfung werden die zu Beginn der Operation abgetrennten Sehnen wieder am Knochen befestigt und das Gelenk dadurch stabil verschlossen.

Wird eine inverse Schulterendoprothese eingesetzt wird nach Abfräsung der Pfannenoberfläche zunächst ein Metallschild mit Schrauben in der Pfanne befestigt. In einer Aussparung des Metallschildes kann ein Metallkopf befestigt werden um den später eine Kunststoffschale gleitet die über einen Metallstiel im Oberarm verankert wird.

Die Operationswunde

In den meisten Fällen werden zwei Drainagen in die Operationswunde eingelegt die nach 2-3 Tagen wieder entfernt werden. Die Drainagen stehen unter Sog und leiten das Wundsekret in Flaschen ab um die Bildung von Blutergüssen nach der Operation zu verhindern. Die Operationswunde wird regelmäßig durch Ihren Arzt kontrolliert. Die Hautfäden oder Hautklammern können nach etwa 2 Wochen entfernt werden. Danach können Sie wieder ohne Abdeckung der Wunde duschen und baden.

 

Nach der Operation:

Im Aufwachraum kontrolliert ein speziell geschultes Pflegeteam Ihr Allgemeinbefinden. Nach einigen Stunden werden Sie wieder auf Ihr Stationszimmer verlegt. Bei besonderen Vorerkrankungen z.B. des Herzens wird gelegentlich für einen Tag zu Ihrer Sicherheit eine Überwachung auf der Intensivstation durchgeführt.

Zur Reduzierung der Schmerzen nach der Operation sollten Sie die ersten Tage mit erhöhtem Oberkörper im Bett liegen und regelmäßig Ihre Schmerzmittel einnehmen. In vielen Fällen wird vom Narkosearzt direkt vor der Operation ein Schmerzkatheter im Bereich des den Arm versorgenden Nervenstranges am Hals angelegt. Über diesen Katheter kann mehrmals täglich ein lokales Betäubungsmittel eingespritzt werden sodass bei korrekter Platzierung des Katheters kaum Schmerzen bestehen.

Die ersten Bewegungen

Am Tag nach der Operation können Sie bereits wieder aufstehen und sich im Zimmer und auf der Station bewegen. Um das Gelenk vor unkontrollierten Bewegungen zu schützen wird der Arm für einige Wochen in einer speziellen Schlinge gelagert. Bewegungen des Ellbogens und der Hand sind sofort nach der Operation wieder erlaubt. Sie unterstützen die Blutzirkulation im operierten Arm und vermeiden Schwellungen. Speziell geschulte Krankengymnasten werden Ihnen entsprechende Übungen die Sie mehrmals täglich durchführen sollten zeigen.

Mit Bewegungen des künstlichen Schultergelenkes wird etwa 2-3 Tage nach der Operation begonnen. In welchem Ausmass das Gelenk bewegt werden darf wird von Ihrem Operateur festgelegt. Diese Vorgaben sollten Sie unbedingt einhalten damit die angenähten Sehnen und ohne Zement verankerte Implantatteile sicher in den Knochen einheilen. Die Krankengymnasten in der Klinik sind mit der Nachbehandlung vertraut und werden Ihnen zeigen welche Übungen Sie durchführen können.

Entlassung aus der Klinik

Etwa 5 Tage nach der Operation werden Sie wieder nach Hause entlassen. Bei Ihrer Entlassung erhalten Sie einen Brief für Ihren weiterbehandelnden Arzt, der den bisherigen Verlauf und Empfehlungen für die weitere Behandlung enthält sowie einen Prothesenpass mit genauen Angaben zu Ihrer Schulterendoprothese. Der Prothesenpass ist wichtig falls später einmal Probleme auftreten sollten. Sie sollten Ihn daher stets griffbereit haben. Die von Ihrem Arzt empfohlenen Termine zu Kontrolluntersuchungen sollten Sie wahrnehmen damit mögliche Probleme frühzeitig erkannt werden können.

 

Nachbehandlung:

In den meisten Fällen wird eine ambulante Nachbehandlung unter Anleitung eines Physiotherapeuten durchgeführt. In welchem Umfang das Gelenk bewegt werden darf wird in der Regel durch Ihren Operateur festgelegt. Bei der Entlassung erhalten Sie hierzu einen Nachbehandlungsplan den Sie Ihrem Hausarzt und Ihrem Physiotherapeuten aushändigen sollten.

Das operierte Schultergelenk erreicht in den meisten Fällen nur langsam wieder eine schmerzfreie Funktion über der Horizontalebene. Das Endergebnis ist teilweise erst ein Jahr nach der Operation erreicht. Verlieren Sie also nicht die Geduld und führen Sie regelmäßig Ihre Übungen zur Kräftigung der Muskulatur und Dehnung der Gelenkkapsel durch.

 

Wieder zu Hause. Gelenkschonende Empfehlungen:

In den ersten Wochen nach der Operation ist der operierte Arm meistens noch in einer Schlinge gelagert. Der Arm kann bis zur sechsten Woche nach der Operation in der Regel nur eingeschränkt bewegt und belastet werden damit durchtrennte Muskeln und Sehnen wieder verheilen können und sich Prothesen die ohne Zement verankert sind stabil mit dem Knochen verbinden. Einzelheiten zur Dauer der Entlastung und wie lange das Gelenk nur eingeschränkt bewegt werden darf werden ihnen von Ihrem Arzt während des Aufenthaltes in der Klinik mitgeteilt.

Eine Endoprothese ermöglicht Ihnen ein Leben in Bewegung. Das natürliche Gelenk kann sie aber nicht voll ersetzen. Durch gleichmäßige Bewegungsabläufe und schonende Belastung verlängern Sie die Funktionsfähigkeit und Haltbarkeit Ihres neuen Gelenkes. Die Tipps für jeden Tag helfen Ihnen dabei.

  • Vermeiden Sie ruckartige Bewegungsabläufe
  • Vermeiden Sie Arbeiten Überkopf
  • Vermeiden Sie das Anheben von Gewichten mit gestrecktem Arm
  • Vermeiden Sie Gewichtsbelastungen über 10kg
  • Verteilen Sie Lasten auf beide Arme.
  • Vermeiden Sie stark schultergelenksbelastende Sportarten mit ruckartigen Bewegungen wie z.B. Squash, Tennis
  • Halten Sie nach Stolperfallen Ausschau und gehen Sie vorsichtig auf unebenem und rutschigem Bogen um Sturzgefahren vorzubeugen
  • Nach einem Sturz auf den operierten Arm sollte sicherheitshalber eine Röntgenaufnahme des Gelenkes durchgeführt werden um einen Bruch der Prothese oder des Knochens auszuschließen
  • Für den Fall einer Infektion oder eitrigen Entzündung sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Er muss entscheiden ob Sie sicherheitshalber für einige Tage ein Antibiotikum einnehmen sollten um einen Befall des künstlichen Schultergelenkes durch Bakterien zu vermeiden. Das gilt für alle Arten von Infektionen z.B. im Rachen und Zahnbereich, bei Infektionen der Harnwege und des Blinddarmes, bei einem Abszess oder eingewachsenem Zehennagel.

Schlafen

In den ersten sechs Wochen nach der Operation sollten Sie nachts zum Schutz der Schulterendoprothese eine Schlinge tragen. Dadurch vermeiden Sie unkontrollierte Bewegungen im Schlaf die unter Umständen zur Schädigung angenähter Sehnen und Muskeln führen könnten. Das Liegen auf der frisch operierten Schuler ist schmerzhaft sodass Sie es zunächst von selbst vermeiden werden, es schadet dem Gelenk jedoch nicht.

Duschen und Baden

Die Operationswunde sollte bis zur Entfernung der Hautfäden nach 10-14 Tagen trocken bleiben. Beim Duschen muss die Wunde durch spezielle Duschpflaster geschützt werden. Sind die Fäden entfernt und die Wunde problemlos abgeheilt können Sie wieder duschen und auch baden. Ein Abkleben der Wunde ist dann nicht mehr erforderlich.

Haare waschen/Frisieren

Aufgrund der anfänglich eingeschränkten Gelenkbeweglichkeit benötigen Sie Hilfe beim Haare waschen und frisieren. Bis Sie wieder selbständig dazu in der Lage sind werden acht bis zwölf Wochen vergehen. Haben Sie etwas Geduld.

Zähne putzen

In den ersten Wochen wird es Ihnen nicht möglich sein mit dem operierten Arm die Zähne zu putzen. Die ruckartigen Bewegungen sind schmerzhaft für die wieder angenähte Muskulatur. Benützen Sie ggf. den gesunden Arm oder behelfen Sie sich in dieser Zeit mit einer elektrischen Zahnbürste.

Toilette

In den ersten Wochen ist es nicht möglich mit dem operierten Arm das Gesäß zur Reinigung zu erreichen da dazu eine maximale Innendrehung des Armes notwendig ist. Sie sollten sich daher mit dem nicht operierten Arm behelfen. Sofern dies nicht Ihr gewohnter Gebrauchsarm ist kann es zu Beginn etwas mühsam sein. In der Regel sind Sie jedoch nicht auf Hilfe angewiesen.

An- und Ausziehen

Beim Anziehen von Hemden und Jacken sollten Sie immer das Kleidungsstück zuerst über den operierten Arm ziehen und dann mit dem anderen Arm hineinschlüpfen. Beim Ausziehen sollte zunächst der gesunde Arm aus dem Kleidungsstück herausgezogen und die Kleidung dann über den operierten Arm abgestreift werden.

Beim Anziehen von Hosen und Socken sollten Sie in den ersten Wochen weitgehend nur den gesunden Arm benutzen. Verwenden Sie Schuhe in die Sie problemlos hineinschlüpfen können oder die Klettverschlüsse haben.

Auto fahren

So lange der Arm in einer Schlinge gelagert und nur eingeschränkt beweglich und belastbar ist sollten Sie nicht Auto fahren. Sie gefährden sich und andere Verkehrsteilnehmer. Im Falle eines Unfalles haben Sie unter Umständen keinen Versicherungsschutz. In der Regel sollten Sie sich nicht vor der siebten Woche nach der Operation selbst ans Steuer setzen. Überprüfen Sie ggf. sicherheitshalber am Wochenende auf einem größeren freien Parkplatz ob der operierte Arm tatsächlich schon die erforderliche Kraft und Beweglichkeit aufweist um ein Fahrzeug zu führen und ob Sie sich dabei sicher fühlen.

Einkaufen

In den ersten acht Wochen sollten Sie den operierten Arm nicht mit zusätzlichen Gewichten belasten und daher auch keine Einkaufstaschen tragen. Sie können sich mit einer Umhängetasche oder einem Rucksack behelfen. Für die Zeit danach sollten Sie sich ggf. angewöhnen die Last auf zwei Taschen zu verteilen.

Empfehlungen zur Wiederherstellung der Beweglichkeit und Aufbau der Muskulatur:

Etwa sechs Wochen nach der Operation hat sich die das Gelenk umgebende Muskulatur wieder soweit erholt dass mit Bewegungen und Belastungen des künstlichen Gelenkes in allen Ebenen begonnen werden kann. In den meisten Fällen benötigen Sie jetzt auch keine Schlinge mehr um das Gelenk zu entlasten. Sie können den Arm zunehmend für die üblichen Alltagsaktivitäten zu Hause einsetzen und belasten.

Um wieder eine möglichst gute Beweglichkeit des Schultergelenkes zu erreichen sollten Sie regelmäßig zur Krankengymnastik gehen und sich von Ihrem Physiotherapeuten Übungen zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und zum Aufbau der Muskulatur zeigen lassen die Sie zu Hause durchführen können. Respektieren Sie stets die Schmerzgrenze und bewegen Sie das Gelenk nicht mit Gewalt. Die folgenden Illustrationen veranschaulichen wie Sie die Übungen gelenkschonend und richtig durchführen.

Zur Dehnung der unteren und hinteren Gelenkkapsel sollten Sie mehrmals täglich mit Hilfe der Gegenhand den operierten Arm nach vorne oben über den Kopf führen. Sie sollten diese Übung bis an die Schmerzgrenze ausführen.

Zur Dehnung der vorderen und hinteren Gelenkkapsel sollten Sie mehrmals täglich mit angelegtem Arm und rechtwinkliger Beugung des Ellbogengelenkes den Arm nach innen auf den Bauch und nach außen drehen.

Zum Training der Unterarmmuskulatur sollten Sie direkt nach der Operation damit beginnen mehrmals täglich einen Handschwamm oder Gummiball zusammenzudrücken. Dies beschleunigt darüber hinaus den Blutumlauf im operierten Arm und verhindert dadurch Schwellungen.

Zum Training der Oberarmmuskulatur sollten sie ab dem ersten Tag aktiv den Ellenbogen beugen und strecken. Nach 2-3 Wochen können Sie dazu auch geringe Gewichte von etwa 1-2 kg verwenden.

Einige Tage nach der Operation können Sie mit isometrischen Übungen für die innen- und aussendrehende sowie für die abspreizende Muskulatur beginnen. Stellen Sie sich hierzu neben eine Wand und drücken Sie mit dem Arm zur Seite, nach innen und nach außen ohne dass das Gelenk dabei bewegt wird. Halten Sie die Anspannung der Muskulatur etwa 6 Sekunden und wiederholen Sie die isometrische Muskelanspannung jeweils etwa 6-mal für jede Richtung. Sie sollten die korrekte Durchführung der Übungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten erlernen und dann zu Hause selbst durchführen.

Etwa sechs Wochen nach der Operation ist die Muskulatur wieder soweit hergestellt dass sie selbst ohne Unterstützung den Arm anheben können. Sie sollten den Arm mit gebeugtem Ellenbogen nach vorne oben ziehen soweit es die Beweglichkeit des Gelenkes erlaubt. Vermeiden Sie in den ersten 12 Wochen zunächst das seitliche Abspreizen des Gelenkes da dies eine Maximalbelastung für Gelenk und Sehne darstellt und verwenden Sie auch keine zusätzlichen Gewichte. In dieser Phase ist das Eigengewicht des Armes ausreichend.

Zum Training der innen- und aussendrehenden Muskulatur können Sie nach 6 Wochen ein Theraband mit geringer Zugstärke verwenden. Zur korrekten Ausführung der Drehbewegung sollten Sie ein Blatt Papier zwischen Oberarm und Rumpf ein klemmen damit der Arm dabei stabil am Oberkörper bleibt. Führen Sie etwa 6-10 Drehbewegungen nach außen mit gleichmäßiger Geschwindigkeit durch und dann dieselbe Anzahl nach innen. Wiederholen Sie dies zu Anfang 3-mal in jede Richtung. Steigern Sie langsam die Anzahl der Wiederholungen und dann auch die Zugstärke des Therabandes.

Sport nach Schulterendoprothesen:

Bleiben Sie nach Ihrer Schulteroperation auch weiter in Bewegung und betreiben Sie gelenkschonende Sportarten mit gleichmäßigen, fließenden Bewegungen und geringem Kraftaufwand. So halten Sie sich fit, stärken Ihre Muskulatur und beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Fragen Sie Ihren Arzt wann Sie wieder Sport treiben dürfen und welche Sportarten für Sie geeignet sind.

Empfehlenswerte Sportarten

  • Rad fahren
  • Wandern
  • Walking
  • Jogging
  • Gesundheitsorientiertes Krafttraining (nach ärztlicher Absprache)
  • Tanzen

Nicht empfehlenswerte Sportarten

  • Squash
  • Tennis
  • Handball
  • Fußball
  • Volleyball
  • Reiten
  • Skilanglauf
  • Nordic Walking
  • Alpiner Skilauf

Haben Sie noch weitere Fragen? Dann wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren behandelnden Arzt. Bitte beachten Sie dass alle Informationen in dieser Broschüre sorgfältig recherchiert und in Zusammenarbeit mit Medizinern, Physiotherapeuten und Betroffenen erstellt wurden. Dennoch gelten die Angaben nicht für jeden Patienten gleichermaßen. Eine individuelle Beratung beim behandelnden Arzt ist weiterhin erforderlich.

Fall 1: Arthrose der Schulter: Zementfreie Kurzschaftprothese am Oberarmkopf und Oberflächenersatz der Pfanne mit einzementiertem Kunststoffimplantat

Fall 2: Arthrose der Schulter mit ausgedehntem nicht reparablem Sehnenschaden. Inverse Schulterprothese.

Fall 3: Luxationsbruch des Oberarmkopfes mit Zertrümmerung des Kopfes. Versorgung mit Inverser Endoprothese.

Fall 4: Abgestorbener Oberarmkopf nach Verplattung eines Oberarmkopfbruches. Versorgung mit einer zementfreien Kurzschaftprothese und zementierter Oberflächenersatz der Pfanne.

Fall 5 : Prothesenversorgung nach Oberarmkopfbruch (links). Im Verlauf Resorption der knöchernen Sehnenansatzzone. Wechsel der Frakturprothese auf eine inverse Schulterprothese (rechts)